Form vor Wasser
(13 Schritte zur Umwandlung von Leben in Masse) 1. Feststellung Es liegt ein Wal im flachen Wasser. Das ist ein Satz, der noch stimmt. Kurz darauf stimmt er nicht mehr. Dann liegt dort eine Lage. 2. Spracheintritt Mit dem ersten offiziellen Wort verschiebt sich etwas....
Der Bericht
Ein Abgesandter reist an den Rand einer Insel, um etwas zu lernen. Zurück bringt er einen Bericht – und verliert dabei aus den Augen, was überhaupt beobachtet wurde.
Gelände ohne Namen
Ich bin es gewohnt zu fragen: Was kann ich bekommen? Was nützt mir? Was gehört mir? Man kann auch anders unterwegs sein: so, dass die Welt nicht wie ein Lagerhaus meiner Wünsche wirkt, sondern wie ein Raum von Begegnungen, die mir anvertraut sind. In diesem Modus...
Die Kunst, schlecht gelaunt zu bleiben (und dabei glücklich zu sein)
Es gibt eine Sorte von schlechter Laune, die sich lohnt zu pflegen. Nicht die dumpfe, die den Tag verätzt, sondern die intellektuelle, die sich weigert, zu klatschen, wenn alle klatschen. Sie lebt auf der Metaebene, trinkt Kaffee mit der Weltverachtung und liest...
Von der Pressefreiheit der Pressestelle
Es ist vollbracht:Die Freiheit der Presse hat endlich erreicht, wonach sie seit Jahrhunderten strebte – die Genehmigung.Im Pentagon, dieser Kathedrale der Kontrolle, darf fortan nur noch schreiben, wer vorher unterschreibt. Das Blatt darf rollen, sofern es sich falten...
Wie das Unsichtbare tanzt
Ein persönlicher Essay über das Sehen, das Nicht-Verstehen und die stille Intelligenz der Formen. Zwischen Kalligraphie, KI und Mystik erkundet der Text, wie Wahrnehmung zur Erinnerung wird – und warum das Unsichtbare kein Mangel, sondern eine Quelle ist.
Apparate und Früchte
Die Maschine bedroht nicht – Verträge bedrohen. Arbeit fällt nicht – Programme fallen. Apparate sind Früchte: Sie tragen Samen, die wir noch nicht sehen. Die Entscheidung liegt nicht in der Technik, sondern in uns: Werden wir Schale bleiben oder Frucht werden?
Bleiben
Sie sitzt auf einem Lotus, aufrecht, still. So zeigt sie ein Kupferstich aus dem 17. Jahrhundert. „Pussa“, schreibt der europäische Gelehrte darunter. Was wir sehen, ist ein Bild. Was wir erkennen, ist ein Missverständnis. Und vielleicht – eine Ahnung. Die Figur...
Gefährliche Sanftheit
Barmherzigkeit klingt weich – ist aber eine Wahl mit Sprengkraft. Ein Schnitt durch Schuld und Gegenschuld, Reiz und Reaktion. Kein Alibi, sondern Handlung ohne Bilanz. Ein Plädoyer für die gefährlichste Sanftheit, die ich kenne: Würde
Monolog (nahtlos, in bernhardscher Manier vortragen oder denken)
Also bitte, was ist das denn, sage ich mir, was ist das wieder für eine Welt, eine Welt, die nur noch Splitter hervorbringt, Bruchstücke, Scherbenhaufen von Wirklichkeiten, die sich benehmen wie Granaten, die mitten in den Zuschauerraum fliegen, wo die sogenannten...
Der Blick
Manchmal denke ich, der Blick sei nur ein Fenster. Ich öffne die Lider, und da ist die Welt, die schon vorher da war. So einfach, so beruhigend. Aber je länger ich schaue, desto deutlicher spüre ich: Mein Blick ist keine Scheibe Glas, er ist ein Griffel. Eine Nadel,...
Angelika Version 0.2
Ein Text über Haltung, Lärm und das Verschwinden von Verbindung.
Angelika, Version 0.1 (Interne Öffentlichkeit)
Wenn dein Kopf dir sagt: „Ich bin so.“frag zurück: Wer spricht da eigentlich? Ich habe gefragt. Nicht laut. Nur innen. Still – aber herausfordernd.Die Antwort kam ohne Zögern, ohne Blinzeln. Glasklar, wie eingegeben: Angelika. Nicht „Ich“. Nicht „Unterbewusstsein“....
Mein Gehirn trägt Uniform
Mein Gehirn trägt Uniform (Ein Gedächtnisprotokoll) Ich habe nie längere Texte mit Kreide an eine Wand geschrieben.Aber mein Kopf behauptet, ich hätte es. Vielleicht sogar öfter. Ich erinnere mich. An das Rauschen im Wald. An die Stimme meines Freundes..An...
Was nicht gezeigt wird, existiert nicht
Über die Grenzen künstlicher Intelligenz und die blinden Stellen der Repräsentation Zweimal sind wir an dieselbe Wand gestossen. Einmal, als wir versuchten, eine menstruierende Frau mittels generativer Bild-KI darzustellen – realistisch, würdevoll, sichtbar. Ein...
Wahrscheinlichkeit ist keine Wahrheit
Was passiert, wenn eine KI eine nackte Schnecke nicht korrekt darstellt – weil sie in ihren Trainingsdaten nicht vorgesehen ist? Eine persönliche Beobachtung über Schlimak, algorithmische Normierung, kulturelle Sichtbarkeit – und die stille Widerständigkeit von Weichheit.
Demokratie braucht Musse – und den Mut zum Zweifel
Ein Text über erschöpfte Menschen, reflexhafte Moral und das leise Gift der Denkverweigerung „Ich finde die AfD alles andere als sympathisch … aber ein Parteiverbot, so richtig es sich anfühlen mag, halte ich für falsch… Eine Demokratie, die ihre Gegner zum Schweigen...
Pink Elephants
Erörterung und Übung «Gerade weil Elefanten in unserer Lebenswelt äussert selten sichtbar, verfügbar oder rosa sind, können sie etwas verkörpern, das nicht da sein kann. Und das in auffälliger Farbe!» Rosa Elefanten sehen...
Die Lesbarkeit des Denkens
Eine kleine Idiotologie des Widerstands 1. Es begann mit einem Gerät Ein Kopfbügel, der ohne das Ankleben von Elektroden Gehirnströme messen konnte. Ursprünglich konzipiert, um Maschinen per Gedanken zu steuern, offenbarte das Interface bald eine weitere Fähigkeit: Es...
Wir brauchen Idiotie!
Bühne. Augen schliessen. Fokussierung auf das „fast“ nichts. Fokussierung auf den einzigen Ort, die einzige Architektur, die einzige Struktur, die wirklich privat ist: Der eigene Schädel. Das ist der Ort, an dem sich die radikale Wahrheit abspielt. Das ist...
Potentielle Potentialisten
Ein Text von W.M. Polauke, Vincent Peasley und Clà Duri Bezzola, ca. 2003 Wir gehen davon aus, dass die wahre Schönheit eines Werkes in seinem zwar gedachten und umrissenen aber nicht erschaffenen Dasein liegt. In diesem Dämmerzustand zwischen Kohlenstoffwelt und...

















