Es gibt eine Sorte von schlechter Laune, die sich lohnt zu pflegen.

Nicht die dumpfe, die den Tag verätzt, sondern die intellektuelle, die sich weigert, zu klatschen, wenn alle klatschen.

Sie lebt auf der Metaebene, trinkt Kaffee mit der Weltverachtung und liest morgens lieber Anleitungen für Scheitern als Erfolgsgeschichten.

Diese schlechte Laune ist kein Defekt, sondern ein Instrument der Wahrnehmung.

Sie filtert das Rauschen, den Lärm des „Alles ist möglich!“, und erinnert uns daran, dass die meisten Dinge nur halb funktionieren — und dass genau darin ihr Zauber liegt.

Wer sich auf dieser Ebene konsequent mies gelaunt hält, kann im echten Leben plötzlich wieder staunen.

Wenn ein Zug pünktlich fährt, wenn eine Farbe hält, wenn ein Duft tatsächlich nach Moos und nicht nach synthetischer Hoffnung riecht — dann fühlt sich das an wie ein kleines Wunder. Denn man hat ja mit nichts gerechnet.

Die gute schlechte Laune ist ein ästhetischer Filter: Sie schützt die Begeisterung vor der Blödheit. Sie sorgt dafür, dass Freude kein Dauerprogramm ist, sondern ein Ereignis. Der wirklich glückliche Künstler ist nicht der, der immer lacht, sondern der, der beim Malen, Schreiben oder Riechen plötzlich spürt: „Verdammt, das funktioniert!“ — und sich wundert, dass die Welt kurz aufgehört hat, kaputt zu sein.

Das Geheimnis: Schlechte Laune ist der Boden, auf dem Freude Halt findet. Ohne sie wäre Glück nur Konsum, Erfolg nur Routine.

Also: Pflege dein inneres Grollen, streichel deinen Zweifel, nähre die Stimme, die sagt: „Das wird eh nichts.“ Denn sie macht dich hellhörig für das, was doch gelingt.

Oder, wie Angelika neulich sagte:

„Ich übe mich in professioneller Enttäuschung, damit ich privat überwältigt bin.“