Ich bin es gewohnt zu fragen: Was kann ich bekommen? Was nützt mir? Was gehört mir?
Man kann auch anders unterwegs sein: so, dass die Welt nicht wie ein Lagerhaus meiner Wünsche wirkt, sondern wie ein Raum von Begegnungen, die mir anvertraut sind.
In diesem Modus werden Dinge, Menschen, Zufälle weniger „Material“ und mehr Gegenüber. Etwas, das mich prüft: Was macht es mit mir, wenn ich diesem Menschen wirklich begegne? Dieser Situation, diesem Bruch in meinen Plänen?
Suchen heisst dann nicht, ein Ziel zu jagen, sondern so aufmerksam zu werden, dass in jeder Begegnung ein Überschuss spürbar wird – mehr, als ich geplant oder bestellt habe.
Besitz spielt in dieser Haltung eine kleinere Rolle. Man kann das, was da geschieht, nicht absichern wie ein Konto oder festhalten wie einen perfekten Moment. Jeder Versuch, es zu „sichern“, macht es kleiner.
Darum ist Suchen eher ein Verlernen: das Verlernen von Kontrolle, das Loslassen des Anspruchs, alles zu verstehen, das langsame Einüben eines Blicks, der das Ganze wichtiger nimmt als die eigenen Pläne.
Wer so sucht, hat nichts in der Hand – und doch schon mehr gefunden, als er oder sie je besitzen könnte.
Vielleicht beginnt genau dort das Terrain, für das unsere Sprache seit Jahrtausenden immer wieder neue Namen sucht – einer davon ist „Gott“.
